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Dirk Driesang

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Was sagt uns eigentlich Clemens von Metternich heute? So einiges!

Clemens Fürst von Metternich (1773 - 1859)


In diesen Zeiten, in denen angeblich nicht einmal mehr die Ausbreitung des Universums ("Spektrum der Wissenschaft 5.20") so ganz sicher ist, lohnt es sich vielleicht doch, einen Blick über die Schulter zurück zu wagen. Das haben die Abstandsregeln auch zu Corona Zeiten schließlich nicht direkt verboten. Ein Wagnis ist es natürlich immer, wenn einer sich erdreistet, Vergangenheit einzubeziehen ins Jetzt, womöglich ein Kreuz zu setzen auf ein Berliner Stadtschloss, oder ähnliche Undinge wagt, die von einer FAZ anno 2020
(https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/das-kuppelkreuz-auf-dem-humboldt-forum-glaenzt-mit-falscher-symbolk-16790336.html) natürlich konsequent bestraft werden, auch wenn die BZ
(https://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/natuerlich-gehoert-das-kreuz-auf-die-kuppel-vom-schloss)

das anders sieht.

Metternich also, das ist doch der erzkonservative Restaurator, welcher den revolutionären Schwung bremste, der mit seinem Namen demnach für Rückschritt steht, oder? Das scheint ein Missverständnis zu sein, ebenso wie Fortschritt nicht "immer nach vorne" meinen kann, obwohl dieser zu oft blind so verstanden wird. Wolfram Siemann hat vor inzwischen vier Jahren eine unerhörte Biografie "Metternich" veröffentlicht, die bereits mit dem Untertitel "Stratege und Visionär" in eine ganz andere Richtung weist und die uns etwas zu sagen hat.

"Macht, die Macht aufzuhalten" (Montesquieu)


Metternich studierte u.a. in Mainz und hörte dort bei Prof. Vogt:


"Man lasse jeder Gemeinheit, jeder Provinz, jedem Lande seine eignen, von ihm selbst gut befundenen Gesetze und Einrichtungen, wenn sie dem allgemeinen Wohl nicht offenbar widersprechen". (Siemann, Metternich, S. 77)

Vogt wurde Metternich zum Freund, dessen Lehren er adaptierte und rückblickend in seinen Memoiren so formulierte:

"Die Herstellung internationaler Beziehungen auf der Grundlage der Reziprozität [Gegenseitigkeit, Anm: WS] unter der Bürgschaft der Achtung vor den erworbenen Rechten und der gewissenhaften Erhaltung des beschworenen Wortes bildet heutzutage das Wesen der Politik, von der die Diplomatie nur die tägliche Anwendung ist." (a.a.o. S. 81) Folglich orientierte sich Metternich am klassischen Ideal einer gemischten Verfassung, in der die Gewalten geteilt sind. Die absolutistischen Anwandlungen eines Josephs II. lehnte er darum entschieden ab. Von seinem Lehrer Vogt erfuhr Metternich "Zum Glück für Europa ist dieses wichtige Land [Deutschland, Anm: WS] in mehrere, aber unter sich in einen Hauptstaat verbundene Staaten zerteilt." Und Siemann ergänzt im Konditional "Die gemischte föderative Verfassung des Alten Reiches inmitten des Kontinentes bewahre die anderen europäischen Staaten vor einem deutschen Despotismus." (a.a.o. S 76)

Wir stehen in diesen Tagen vor dem ultimativen Umbau der EU hin zu einem System, dessen Macht ganz offensichtlich keine Macht mehr wird bremsen können, 500 Milliarden hier, 750 Milliarden dort - wer will nochmal, wer hat noch nicht? Darf es etwas mehr sein? Die Coronakrise lässt fatale Wunschträume schließlich wahr werden. Natürlich ist die exzessive Geldpolitik aus verschiedenen Gründen grundfalsch, aber sie verstößt auch gegen die "Achtung vor erworbenen Rechten" und "Erhaltung des beschworenen Wortes", von gewissenhaft ganz zu schweigen. Wer hätte gedacht, beim Nachdenken über die heutige EU, deren Verfechter ja das Wort "Europa" usurpiert und machtvoll transformiert haben, bei Metternich fündig zu werden?

Solcherart werden die langen Linien des Konservatismus sichtbar und nützlich; seine Verwurzelung im Einst, seine Wachheit im Jetzt und seine Verästelung in die Zukunft hinein mögen uns helfen, jene Macht aufzuhalten und zu verwandeln.

Wolfram Siemanns Buch "Metternich" ist weit über die angeführten punktuellen Zitate hinaus lesenwert.

Roland Baader zum Euro (1993)


Baader gilt seinen Anhängern als gemäßigt libertärer Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Was auch immer man von dieser Schule persönlich hält, Baaders Buch aus dem Jahr 1993 bietet nicht nur überraschend präzise Vorhersagen, die sich leider durch die Bank bewahrheitet haben, es erlaubt darüber hinaus auch Einblicke in Baaders Weltsicht, die jedenfalls christlich fundiert ist und konservative Elemente enthält. Sicher würde sich Baader, lebte er noch, im "modernen Liberalismus" nicht wiederfinden. Da Wolfram Siemanns Buch vielleicht doch nicht jedermanns Sache und auch nicht ganz billig (obwohl preiswert) ist, so möchte der ein oder andere schnell und günstig vielleicht auf Baaders "Die Euro Katastrophe" oder andere seiner frei zum Download stehenden Bücher zurückgreifen. Fündig werden Sie egal ob in "totgedacht", "Kreide für den Wolf" oder eben der Euro Katastrophe immer und zwar hier: http://www.roland-baader.de/downloads/

Ein Nachtrag zu König, Kaiser und Pfingsten


Erst in Aachen, später in Frankfurt wurden die Kaiser des Hl. römischen Reiches deutscher Nation gekrönt. Ihre weltliche Macht erhielten sie durch kurfürstliche Wahl. Aber im Alten Reich gab es oberhalb dieser diesseitigen Hierarchie einen christlichen Gott, dem auch der Kaiser gehorchen musste und von dem er letztlich seine Macht empfing, vor dem auch er sein Knie beugen musste.

Zum Ritus der Kaiserkrönung gehörte über Jahrhunderte das "laudes regiae", welches mit den Worten beginnt, "Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat!". Vom Kaiser erstmal kein Wort, stattdessen siegt, regiert und herrscht Christus. Der junge Metternich erlebte in den Jahren 1790 und 92 gleich zwei Kaiserkrönungen, an denen er aufgrund seines Reichsgrafenstandes trotz seiner jungen Jahre schon teilnahm und sogar mitwirkte. Was er damals ganz genau hörte, wissen wir natürlich nicht, aber ungefähr so wird es geklungen haben:

https://m.youtube.com/watch?feature=share&v=ZmH2VS8X2Vg

Und weil heute Pfingstmontag ist, verlinke ich noch zu einem Pfingsthymnus:

https://m.youtube.com/watch?feature=share&v=yHMnV134FKA

Die Aufnahmen auf dieser Seite stammen meist aus der Umgebung der Burg Montfort, die sich seit dem 12. Jahrhundert über die anmutige und hügelige Nahelandschaft erhebt. Ihre Geschichte und insbesondere die Namensgebung verweisen wahrscheinlich auf die Kreuzzüge.
Aber das ist dann ein anderes Thema.