Öffentliche Meinung

Dirk Driesang

private Webseite

Nachdenken über die "Öffentliche Meinung"


Der nachfolgende Text setzt sich intensiv mit Noelle-Neumanns berühmtem Buch  "Die öffentliche Meinung" auseinander und entwickelt daraus einige eigene Gedanken für unsere heutige Situation. Insbesondere macht der Text auf einen inneren Zielkonflikt aufmerksam, in den unsere gewachsene Natur in der sich ausbreitenden Monokultur der Moderne automatisch geraten muss. Es droht ein destruktiver Teufelskreis, dem unbedingt strukturell begenet werden muss. Aber bevor es so weit sein kann, muss man erst einige Grundlagen verstehen. Dazu hat Noelle-Neumann eine bewundernswerte Arbeit geleistet.

Vier Striche zerstören ein Weltbild

Rational argumentieren, abwägen, diskutieren – dies erscheint uns als innerster und bestimmender Kern jeglicher Republik und liberalen Demokratie, die sich beide auf das selbstbestimmte Individuum stützen. In den 1950er Jahren führte ein amerikanischer Soziologe, Solomon Asch, ein Laborexperiment durch. Neun Personen sollten nacheinander recht einfache Fragen beantworten. Wie zu erwarten war, stimmten die Versuchspersonen bei den Ergebnissen völlig überein. Nach einigen harmlosen Runden begann jedoch das eigentliche Experiment. Nur die letzte Person in der Runde war nämlich echter Proband, alle anderen waren zuvor in den Ablauf eingeweiht worden und begannen nun, auf einfache Fragen in verabredeter Weise absichtlich falsche Antworten zu geben. Was würde der echte Proband tun, wie würde er auf diese geballte Ladung falscher Aussagen reagieren? In Noelle-Neumanns Buch „Öffentliche Meinung“, Untertitel „Die Entdeckung der Schweigespirale“ werden aus diesem Experiment beispielhaft vier Linien einer Grafik abgedruckt. Die Länge einer ersten Linie soll von den Teilnehmern mit der dreier weiterer Linien verglichen werden. Von diesen dreien sind zwei ganz offensichtlich deutlich kürzer, nur eine hat augenscheinlich dieselbe Länge, das ist auf den ersten Blick zu erkennen. Doch das Unglaubliche geschieht. Ein erheblicher Teil der echten (naiven) Probanden lässt sich unter solchen Laborbedingungen dazu verleiten, einer offensichtlich falschen Aussage zuzustimmen, wenn sie Mehrheitsmeinung ist oder jedenfalls zu sein scheint. Vier Striche zerstören ein Weltbild.

Was Solomon Asch im Experiment messbar gemacht hatte, war eine Auswirkung öffentlicher Meinung. Jene öffentliche Meinung, von der jeder zu wissen meint, was sie bedeutet, deren wahre Macht und wahres Wesen jedoch selten erkannt wird. Kluge und normale Personen geben plötzlich auf einfache Fragen falsche Antworten. Sie tun dies sogar in einem unpersönlichen Rahmen, denn Aschs Versuchspersonen kannten sich nicht und trafen sich hinterher nicht wieder; sie tun dies selbst bei unbedeutenden, politisch und gesellschaftlich vollkommen irrelevanten Fragen. Dabei wissen sie, daß ihre Antwort falsch ist. Die Ursache für solch scheinbar irrationales Verhalten ist unsere Isolationsfurcht. Das Individuum erkennt oder erspürt die Mehrheitsmeinung, Nöelle-Neumann nennt das „quasistatistische“ Fähigkeit, und ist bestrebt, sich nicht zu isolieren, nicht außerhalb dessen zu stehen, was die „öffentliche Meinung“ als sagbar zugelassen hat.

Viele Menschen sind bereit, einer erkennbar falschen „öffentlichen Meinung“ zuzustimmen, weil ihre Isolationsfurcht stärker ist, als ihr „vernünftiges“, selbstbestimmtes Streben nach Wahrheit und Erkenntnis. „Sechs von zehn“ Versuchspersonen gaben im Experiment „mehrmals als eigene Meinung die offensichtlich falsche Meinung der Majorität an.“ (Noelle-Neumann)

Isolationsfurcht treibt uns von unserem aufgeklärten, individuellen Erkenntnisweg fort und stattdessen hinein in die sprichwörtliche Herde, in der keiner das schwarze Schaf sein will.

Wir erkennen den Menschen in seiner Doppelnatur: Einerseits Individuum, andererseits soziales Wesen. Für die soziale Natur des Menschen ist die öffentliche Meinung als „Urteilsinstanz, Tribunal“ (Noelle-Neumann S 315) schlechthin der bestimmende Faktor: „Isolationsdrohungen, Isolationsfurcht, fortgesetzte Beobachtung des Meinungsklimas und Abschätzung der Stärkeverhältnisse entscheiden über Reden und Schweigen.“ (Noelle-Neumann, S 321)

Egal ob Kaiser, König, Kanzler – die Gesetze der öffentlichen Meinung gelten für uns alle, und sie gelten durch alle Zeiten auf allen Kontinenten. Ein „falscher“ Satz hier, ein „unpassendes“ Bild dort - schon steht die Macht der öffentlichen Meinung wie ein Cherub vor der Himmelspforte. „Öffentliche Meinung“ – so definiert von Noelle-Neumann in ihrem berühmten gleichnamigen Werk - „ist eine Meinung in wertbesetzten Bereichen, die ohne Furcht vor Sanktionen öffentlich ausgesprochen werden ... kann.“ (S 323) Zusätzlich wird zwischen Meinungen, die geäußert werden können und solchen, die geäußert werden müssen, wenn man sich denn nicht isolieren möchte, unterschieden. Aber die Menschen reagieren nicht nur, indem sie selbst die von ihnen eigentlich als falsch erkannte Meinung öffentlich vertreten, sie können alternativ auch ganz einfach verstummen:

„Heute lässt sich nachweisen, daß Menschen auch dann, wenn sie hellwach sehen, daß ein Weg falsch ist, doch in Schweigen verfallen, wenn sie sich mit Reden isolieren würden, wenn nämlich die öffentliche Meinung – Meinungen und Verhaltensweisen, die man öffentlich zeigen kann, ohne sich zu isolieren -, wenn also der allgemeine Konsens, was guter Geschmack und was die moralisch richtige Ansicht ist, dagegensteht.“ (N-N) Diese Zusammenhänge wurden früher bereits ganz ohne Laborexperimente von klugen Beobachtern der Gesellschaft erkannt und beschrieben. In Tocquevilles Buch über die „Demokratie in Amerika“ finden sich ganz erstaunliche Erkenntnisse zu diesem Thema. Auch John Locke äußerte: „Nicht einer unter Zehntausenden ist unempfindlich gegenüber der Mißachtung seiner Umwelt...“


Es ist eine Sache, sich einer anderen Meinung anzuschließen, die man tief drinnen für falsch hält. Das nur scheinbar unscheinbare Verstummen ist davon aber zu unterscheiden. Denn der sich daraus entwickelnde ganz besondere (Doppel-)Effekt der „Schweigespirale“, die, von Noelle-Neumann entdeckt, beschrieben und wissenschaftlich untersucht, hat eigene Gesetze. Anhand der Bundestagswahl von 1972, die hauptsächlich von der „neuen Ostpolitik“ bestimmt wurde, beschrieb N-N dies so:

„Und nun entwickelte sich eine eigentümliche Dynamik. Wer von der neuen Ostpolitik überzeugt war, spürte, wie das, was er dachte, von allen gebilligt wurde. Und also äußerte er sich laut und voll Selbstvertrauen und zeigte seine Ansichten; diejenigen, die die neue Ostpolitik ablehnten, fühlten sich alleingelassen, zogen sich zurück, verfielen in Schweigen. Und eben dieses Verhalten trug dazu bei, daß die ersteren stärker erschienen, als sie wirklich waren, und die letzteren schwächer. Diese Beobachtungen in ihrem Umkreis veranlassten wieder andere, sich laut zu bekennen oder ihre Ansichten herunterzuschlucken und zu schweigen, bis wie in einem Spiralprozess die einen öffentlich ganz dominierten und die anderen aus dem öffentlichen Bild ganz verschwunden und 'mundtot' waren. Das also ist der Vorgang, den man als 'Schweigespirale' bezeichnen kann.“

Es ist hierbei ganz wichtig zu verstehen, wie sich auf der einen Seite der „Schweigespirale“ ein verstärkender Effekt etabliert, während auf der anderen Seite ein dämpfender Effekt bis hin zu völligem Verstummen eintritt. Offenbar hat die Schweigespirale also zwei Enden.

Eines davon kommt in immer enger werdenden Spiralen schließlich zum Erliegen, buchstäblich zum Schweigen. Das andere Ende wird sprachlich mit dem Ausdruck „Schweigespirale“ leider nicht erfasst und könnte „Ausbreitungs-“ oder „Siegerspirale“ genannt werden.

Die Schweigespirale ist an ihrem einen Endpunkt in der Öffentlichkeit praktisch unsichtbar geworden und existiert dort lediglich verborgen wie Schmutz unter einem Teppich. Übrigens, genau so fühlen sich vielfach wohl auch die Vertreter dieser „Minderheit“ - ein auch in seinen Auswirkungen nicht zu unterschätzender psychischer und erzieherischer Effekt. Selbstbewusst und triumphierend hingegen breitet sich die Siegermeinung am anderen Ende in expandierender Siegerspirale wie in einem Verstärkerkreislauf aus, ganz ähnlich einem Waldbrand im trockenen Hochsommer bei Wind.

Warum?

Dieses auf den ersten Blick überraschende Schema erfüllt durchaus einen Sinn.

Denn jegliche Gemeinschaft muss handlungsfähig bleiben, sie darf nicht in zig Meinungssplitter zerfallen, weil sie dann keine einzige Entscheidung mehr fällen könnte. Der Drang, einer Zersplitterung entgegenzuwirken, ist tief in uns verwurzelt, denn fast während seiner gesamten Stammesgeschichte hat sich homo sapiens in Horde und Stamm, in Gruppen also von ein paar Dutzend bis hin zu vielleicht 1000 Individuen entwickelt. Immer war der Einzelne auf eine Gruppe und das zielgerichtete Funktionieren derselben angewiesen.

Für einen Ausgestoßenen würde die Überlebens- wie Reproduktionschance um Größenordnungen fallen, eine dysfunktionale Gruppe wäre ebenfalls nicht überlebensfähig.

Wer also das Funktionieren der Gruppe durch abseitiges und übermäßiges Opponieren in Frage stellte, der stellte zugleich für alle Mitglieder der Gruppe die Überlebensfrage.

Dies bedeutet, daß die Neigung, einer Mehrheitsmeinung zuzustimmen, über Äonen für das Individuum und für die Gruppe einen zentralen evolutionären Vorteil darstellte.

Auch viele moderne und aufgeklärte Menschen können sich diesem weitgehend unterbewusst wirkenden evolutionären Erbe nicht entziehen. Wir sind Individuen, aber unsere soziale Natur wiegt oftmals schwerer. Das ist der Grund, warum Isolationsdrohungen auch heute noch so wirkungsvoll sind.

Gruppenentscheidung darf falsch sein

Aber wir leben nicht mehr in der Steinzeit, und das hat - wie wir sehen werden - Konsequenzen. Stellen wir uns irgendein steinzeitliches Gebiet der Größe Deutschlands vor und nehmen wir der Einfachheit halber an, dort würden 1000 Gruppen mit jeweils 100 Personen existieren. Überall tauchen Probleme auf, ständig müssen Entscheidungen gefällt werden: „Ziehen wir nach Süden oder nach Osten? Gehen wir auf Karibujagd, oder versuchen wir Fische zu fangen? Sollten wir Inzest vermeiden, wie bestrafen wir ggf. ein entsprechendes Vergehen? Ab welchem Grad entfernterer Verwandtschaft liegt kein Inzest mehr vor? Sollen wir diese neue „Pfeil und Bogen Mode“ übernehmen, oder sollen wir bei unserer angestammten Jagdmethode mit Lanzen und Speeren bleiben?“

Fragen dieser Art stellten sich allen Gruppen und es ist sehr wahrscheinlich, daß die Antworten darauf aufgrund der weitgehenden Isolation der Gruppen unterschiedlich ausfielen.

Sollte eine Gruppe gemeinschaftlich (bei Gruppenzwang und Isolationsdrohung) beschließen, Inzest vollkommen zuzulassen und auf Pfeil und Bogen zu verzichten, so bedrohen diese Fehlentscheidungen diese eine Gruppe existenziell. Sie wird höchstwahrscheinlich binnen weniger Generationen verschwinden.

Für die Gesamtpopulation ist dies jedoch kein Problem, denn in anderen Gruppen fielen andere Gruppen-Entscheidungen.

Durch die Vielfalt der Entscheidungsvarianten werden übrigens auch zufällige Ereignisse und im Einzelfall sogar Fehler abgepuffert bzw. konnten sich in einen unerwarteten und zuvor nicht absehbaren Vorteil wandeln. Der immer existierende direkte oder indirekte Wettbewerb betrieb zwischen allen Entscheidungsvarianten eine harte Auslese, etwa über Nahrungskonkurrenz und Reproduktionsrate. Dies sicherte allerdings insgesamt gesehen das Überleben. Denn was bedrohlich für eine konkrete Gruppe war, stellte zugleich – nämlich als Prinzip - für die Gesamtpopulation das Überleben sicher.

Da niemand allwissend war, konnte nur die Vielfalt der konkreten Entscheidungen bei gegebenem natürlichem Wettbewerb die Zukunft einigermaßen sichern.

Besonders wichtig ist folgende Erkenntnis:

Die „Einfalt“ (also die gesellschaftlich enge Norm, der Gruppen- oder Konformitätszwang, die Isolationsandrohung) innerhalb einer Gruppe erfährt erst durch eine Vielfalt zwischen den verschiedenen Gruppen ihre wirkliche und tiefere Bedeutung.

Dieser kleine Ausflug in die menschliche Stammesgeschichte war notwendig, damit wir verstehen können, warum und wie Gruppendruck und Isolationsdrohung sowie gesellschaftliche Akzeptanz – also Protoformen dessen was wir unter „öffentlicher Meinung“ subsummieren - so enorm wichtig für unser (Über)Leben waren. Zugleich können wir nun leichter erkennen, was gegenüber der Steinzeit in der Moderne anders geworden ist und wo uns diese „Erbschaft“ ernste Probleme bereitet.

Zunächst ein einfaches Beispiel. Nehmen wir an, unsere 1000 steinzeitlichen Gruppen à 100 Personen hätten ein komplexes und intensives Kommunikatonsnetz untereinander besessen und alle Entscheidungen gemeinsam und abgestimmt getroffen, etwa nach dem Motto „wir sind mehr“. In unserem Gedankenspiel lassen wir nun die 1000 Gruppen eine herbe Fehlentscheidung treffen, z. B. im Hinblick auf Inzest. Der Unterschied zur früheren Situation ist eklatant. Wo zuvor lediglich eine Gruppe durch eine Fehlentscheidung ihr Überleben riskierte, ist mit einem Mal die gesamte Population bedroht, da die Vielfalt fehlt und Versuch und Irrtum („try and error“) nicht mehr möglich sind. Was eben noch als Konformitätszwang eine für den Fortbestand notwendige Voraussetzung war, kann unter den veränderten Bedingungen zur wirklichen Katastrophe führen.

Schärfen wir unsere Betrachtungen durch einen aktuellen Hintergrund weiter. Kanzlerin Merkel beschließt im Jahr 2015 im wesentlichen im Alleingang, die Grenzen aus „humanitären Gründen“ für alle zu öffnen. Ihre Entscheidung hat zunächst direkte Auswirkungen auf dieselbe Fläche wie im oben angenommenen Gedankenspiel, nämlich Deutschland. Indirekte Auswirkungen reichen allerdings weit darüber hinaus; zumindest der gesamte Schengen Raum sowie abgestuft die EU sind mehr oder weniger betroffen, ja sogar der „Brexit“, so lautet eine begründete Vermutung, wird durch ihre Entscheidung maßgeblich beeinflusst. Ich will hier die Entscheidung der Kanzlerin weder ethisch noch moralisch bewerten, auch will ich gar nicht erst versuchen, sie als richtig oder falsch zu kategorisieren. Stattdessen möchte ich auf zwei interessante Punkt aufmerksam machen.

Denaturierte Steinzeit

Erstens, und das hat der damalige Innenmister in seinem diesbezüglichen Buch erfrischend deutlich zugegeben (gut Informierte wussten dies allerdings bereits länger), geschah die Grenzöffnung allein unter dem Druck einer vermuteten öffentlichen Meinung nach dem Motto „diese Bilder hätten wir nicht ausgehalten“. In der Tat sollten Herrscher jeglicher Couleur die Macht der öffentlichen Meinung niemals unterschätzen. Es ist schlechterdings unmöglich, dauerhaft gegen sie zu regieren. Sogar der große Cicero gab 50 v. Chr. einen Irrtum zu „mit dem Hinweis, er sei nur der öffentlichen Meinung – 'publicam opinionem' - gefolgt“. (N-N VIII) Noelle-Neumann bestätigt, die öffentliche Meinung könne Regierungen stürzen und ihre Kraft bedrücke „das Individuum, das sich widersetzt, … bis es 'tot aus der Gesellschaft fällt'.“ Laut Tocqueville kann eine wuchtige öffentliche Meinung sogar die geistige Freiheit ersticken: „Das Übel [hätte] nur ein anderes Aussehen bekommen; die Menschen hätten nicht das Mittel eines unabhängigen Lebens gefunden; sie hätten nur eine neue Abart der Knechtschaft entdeckt'.“ Wenn es also noch eines Beweises der Macht der öffentlichen Meinung bedurft hätte, so ist dieser 2015 erbracht worden. Die öffentliche Meinung regiert, somit regiert eine Art denaturierter Steinzeit womit ich zum zweiten Punkt komme.

Die Entdeckung der Konformitätsfalle

Denn der Konformitätszwang stand ja in der Steinzeit nicht alleine. Wie oben gezeigt funktionierte er in einer Wechselwirkung mit den Kräften Vielfalt und Wettbewerb. In der Moderne droht jedoch von diesen dreien nur noch der Konformitätszwang alleine übrig zu bleiben wodurch wir in einer Art Konformitätsfalle landen würden.

Die gestaltende, tendenziell positive Kräftebalance denaturiert, übrig bleibt nur eine Kraft, die durch ihre Uneingeschränktheit destruktiv wirken muss. So wie einst die Gesetzmäßigkeiten der drei Kräfte den evolutionären Fortbestand und die Weiterentwicklung in der Praxis garantierten so wird nun umgekehrt eine „monopolisierte Gesetzmäßigkeit“ den Niedergang geradezu erzwingen. Verliert der Konformitätszwang seine Einhegung in kleinere Einheiten, pervertiert er.

Aus „der Entdeckung der Schweigespirale“ erwächst für uns eine „Entdeckung der Konformitätsfalle“.

Merkels einsame Entscheidung stellte monopolartig die Weichen mindestens für den gesamten Schengen Raum. Somit fehlt die erste begrenzende Kraft, nämlich Vielfalt in Konkurrenz. In einem Gebiet, in dem früher hunderte von differenzierenden Einzelentscheidungen fielen, regiert nun in der Praxis die Entscheidung einer einzigen Person. Wo aber keine Vielfalt vorhanden ist, da kann naturgemäß kein Wettbewerb sein.

Um die Überlegungen anhand eines Beispiels nochmals zu verdeutlichen, will ich ein weiteres gedankliches Experiment wagen. Dieser Punkt ist nämlich zu wichtig, um Missverständnisse zulassen zu können.

Ein hypothetisches Gedankenexperiment

Im Jahr 2015 beschließt die Bundesregierung, die ersten 3000 Personen aus Ungarn in einer Art Notsituation aufzunehmen. Darüber hinaus geht aber erst einmal nichts mehr, die Grenzen werden dicht gemacht. Allerdings erklären sich daraufhin Bremen und das Saarland bereit, ihre Grenzen unbeschränkt zu öffnen. Die Bundesregierung lässt aus diesem Grund und in Absprache nach Bremen weiterhin und fortgesetzt so viele Personen einreisen, wie es (im Verhältnis zu allen Personen, die einwandern wollen) dem Anteil Bremens an der Gesamtbevölkerung Deutschlands entspricht. In das Saarland hingegen werden nur die Hälfte der Personen gelassen, die theoretisch, d.h. vom Bevölkerungsanteil her berechnet, dem Saarland zugeteilt würden. Die Freizügigkeit wird für die Migranten auf ihr jeweiliges Bundesland begrenzt.

Sie verstehen worauf ich hinaus will. In diesem Gedankenmodell haben wir drei unterschiedliche Zonen – d.h. wir haben statt einer Monokultur immerhin eine magere Vielfalt. Innerhalb der nächsten Jahre untersuchen nun Wissenschaftler und Soziologen ständig die gesellschaftliche Entwicklung in Bremen, dem Saarland und dem Rest des Bundesgebietes; natürlich wird auch die Bevölkerung befragt, ihre Meinung gemessen und berücksichtigt.

Damit haben wir die dritte Kraft wieder eingeführt, den Wettbewerb. Anstatt ein einziges gesellschaftliches Großexperiment zu starten, versuchen wir uns tastend in einer Art Mikrokosmos. Jeder von uns wird eine Meinung dazu haben, welche Zone nach einigen Jahren besser bzw. schlechter da stehen wird, etwa was das Lebensgefühl oder die Kriminalitätsrate angeht.

Entscheidend aber ist, daß unsere jeweilige Meinung gar nicht wichtig ist, es geht in diesem Modell ja nicht darum, recht zu haben.

Denn welches Modell besser ist, das zeigt die Praxis von ganz alleine, wenn man denn die beschriebenen drei Kräfte frei wirken lässt. Hypermoral oder Gutmenschentum hätten in einer solchen gesellschaftlichen Atmosphäre keinerlei Dünger und würden eingehen. Einem saarländischer Leser, der jetzt vielleicht grummelnd einwenden mag, „warum sollen denn ausgerechnet wir die Versuchskaninchen sein?“, sei gesagt, daß er aktuell bereits Versuchskaninchen ist, gemeinsam mit allen Bewohnern des gesamten Schengen Raums.

Wir wissen heute, daß die Planungen der Mächtigen am Schengen Raum nicht enden. Migrations- und Flüchtlingspakt etwa kommen von den UN. Sie haben ähnlich wie die Gender-Ideologie einen sogenannten „top-down“ Ansatz, d.h. es werden irgendwo ganz oben von relativ wenigen Menschen Entscheidungen ausgetüftelt, die letztlich „idealerweise“ möglichst einheitlich den gesamten Globus betreffen. Regierungen sollen den Vertragswerken zustimmen und sie vor Ort durchsetzen.

Aus unseren Überlegungen heraus kommen wir zur Erkenntnis, daß so eine Vorgehensweise unabsehbare Risiken bergen muss, denn es gibt wie in der Steinzeit auch heute niemanden, der alle Unwägbarkeiten bedenken oder der in die Zukunft blicken könnte.

Platon irrte. Es kann auf Erden naturgemäß keinen allwissenden oder idealen Herrscher geben. Und aus diesem Grund brauchen wir echte Vielfalt und wirklichen Wettbewerb. Unter bestimmten Umständen ergeben sich diese Wirkkräfte von ganz alleine, aber wo sie nicht (mehr) vorhanden sind, dort müssen sie im Fall des Falles künstlich wieder erzeugt werden, denn, um es pathosgeladen zu sagen, das Überleben der Menschheit hängt davon ab.

Um dieses Ziel erreichen zu können, bedarf es zuvorderst einer Vielfalt auch in dem was wir öffentliche Meinung nennen. Der Meinungskorridor darf keinesfalls zu eng sein, Sanktionen gar dürfen nur im Notfall greifen. Mehr Gelassenheit, weniger Polarisierung. Und ganz in Analogie zum oben Gesagten – wo die öffentliche Meinung tatsächlich monopolisiert ist, dort müssen die bestimmenden Kräfte einer Gesellschaft unbedingt dafür sorgen, daß auch andere Melodien im öffentlichen Raum erklingen. Dabei spielen natürlich die Medien als „vierte Gewalt“ die erste Geige. Genau betrachtet sind sie sogar die oberste Gewalt, denn niemand kann dauerhaft gegen die „öffentliche Meinung“ regieren, und die öffentliche Meinung wird heutzutage, das hat Noelle-Neumann wissenschaftlich gezeigt, durch die Medien wenn nicht gesteuert so zumindest enorm beeinflusst.

In der Praxis würde das bedeuten, in den Talkshows und politischen Sendungen sowie allen Meinungssendungen, zu denen in Deutschland auch der „Tatort“ gehört, eher abweichende Positionen und den Nicht-Hauptstrom zu Wort kommen zu lassen. Nicht, weil diese abweichenden Positionen richtig oder per se besser wären, sondern allein deswegen, weil sie möglicherweise richtig oder rein theoretisch besser sein könnten! Zumindest die öffentlich rechtlichen Medien müssten solcherart zu Beginn eine Vielfalt künstlich erschaffen, und die übrige Medienwelt sollte dies aus Erkenntnis und journalistischem Ethos heraus ebenfalls tun. Warum sitzt in einer Talkrunde ein Vertreter der Regierung(spartei) und dazu vielleicht noch diverse Personen, die oft lediglich eine Pseudovielfalt darbieten? Die Regierung schafft es doch jederzeit in die Schlagzeilen, sie kann Staatsbesuche und Pressekonferenzen abhalten, sie kann entscheiden, sie wirkt. Kurz, sie benötigt keinerlei Untersützung oder Verstärkung ihrer Position über das normale Maß hinaus.

Was hingegen eine Öffentlichkeit erhalten muss, ist all jenes was aktuell ein Schattendasein führt - wenn es denn im Rahmen der Verfassung bleibt. Es kann vernünftig oder unvernünftig sein, Hauptsache es handelt sich um eine (private) Meinung, die sich nichts anmaßt und sich nicht über andere Meinungen erhebt. So hätten wir echte Vielfalt aus der sich eine echte öffentliche Debatte entwickeln kann.

Die Wissenschaft ging lange davon aus, daß Australopithecus Robustus ausschließlich sehr harte Nahrung wie etwa Nüsse mit seinen mächtigen Zähnen zermalmt hätte. Nun stellt sich heraus, er war ein Allesfresser und zog weiche Früchte vor. Die großen Backenzähne hätte er 9/10tel des Jahres gar nicht gebraucht. Aber in den entscheidenden 4 Wochen Trockenzeit ermöglichten ihm die ansonsten nutzlosen und "kostenintensiven" Backenzähne das Überleben. Daraus können wir zwei Dinge lernen. Erstens ist nicht alles, was uns auf den ersten Blick als falsch oder nutzlos erscheint, tatsächlich falsch und nutzlos, sondern hat womöglich einen tieferen, verborgenen Sinn. Zweitens haben an diesem Punkt die besten Wissenschaftler des Genres über Jahrzehnte hinweg geirrt. Sie lagen daneben. Das sollte uns eine Warnung sein, denn wenn sogar die besten Wissenschaftler so sehr daneben liegen können, dann wird die Politik erst recht regelmäßig in die Irre gehen.

Wenn wir also eine echte und notfalls künstlich kreierte Vielfalt nicht (er)schaffen, dann ist „Pluralismus“ nur eine trügerische Chiffre für eine neue Art von Knechtschaft, in der ein enger Meinungskorridor und eine monopolisierte öffentliche Meinung kombiniert mit Isolationsdrohung und Schweigespirale die Peitsche führen.

Ein anderer, eher struktureller Lösungsansatz verweist auf den Gedanken der wirklichen Subsidiarität oder auch den echten Föderalismus. Wenn kleinere Gebiete mehr Autonomie und Entscheidungshoheit erhalten, dann ergibt sich die überlebensnotwendige Vielfalt mit filterndem Wettbewerb von ganz alleine. Hieran anknüpfend wird schnell ersichtlich wie gefährlich Monopolisierung, Zentralisierung und im Hinblick auf die EU eine "immer enger werdende Union" tatsächlich sind. Der Buchtitel "Rettet Europa vor der EU!" (Carlos Gebauer) bringt es auf den Punkt.

Auch wenn viele der hier vorgetragenen Überlegungen bewusst vereinfacht sind, die Wechselwirkungen und Abläufe in der Realität komplexer ablaufen, so ist dennoch das Wesentliche gesagt. Die Moderne muss lernen, mit ihrem stammesgeschichtlichen Erbe kreativ und konstruktiv umzugehen. Andernfalls hätten wir uns, um ein früheres Beispiel aufzugreifen, für „geistige Inzucht“ entschieden, und ein Abgesang in Unfruchtbarkeit wäre eingeläutet.

Anmerkung: Den Zitaten liegt "Elisabeth Noelle-Neumann, Öffentliche Meinung, Untertitel, Die Entdeckung der Schweigespirale“, Ausgabe Ullstein 1991 zugrunde.


P.S.: Daß gerade auch hochintelligente Menschen nicht gegen die oben beschriebenen Muster und die Wirkmechanismen der Öffentlichen Meinung gefeit sind, lässt sich perfekt aus diesem Artikel ableiten:

https://www.tichyseinblick.de/meinungen/intelligenz-schuetzt-vor-dummheit-nicht/amp/?__twitter_impression=true

P.P.S: Hochinteressant wie gerade die "Vierte Gewalt" versucht, sich aus dem Klammergriff der öffentlichen Meinung zu befreien. Die Regierungskoalition (CDU/SPD) will der darbenden Presse 220 Millionen Euro an Steuergeld zukommen lassen, angeblich, um damit die Vielfalt der Meinungsberichterstattung zu gewährleisten. Es finden sich demnach zu wenige zahlende Leser; die "Öffentliche Meinung" wendet sich also von vielen - nicht allen - Blättern ab. Tatsächlich darf man das Geld aber als Staatshilfe für regierungsnahe Propaganda bezeichnen, ein grotesker Fall von Selbstbedienung, da über verschiedene Holdings hinter den allermeisten Formaten die SPD steht. Wer beobachtet, wie gerade diese nun staatlich geförderte Presse zur Verengung des Meinungskanals (Zur Erinnerung, Öffentliche Meinung „ist eine Meinung in wertbesetzten Bereichen, die ohne Furcht vor Sanktionen öffentlich ausgesprochen werden ... kann.") beigetragen und in vielen Themen Meinungs-Monokultur bis hin zu betreutem Denken und Missbrauch der Sprache betrieben hat, der staunt nicht schlecht. Natürlich wird man mit diesem teuren Missbrauchsprojekt auf mittlere Sicht scheitern. https://www.ariva.de/news/antrag-koalition-will-verlage-mit-maximal-220-millionen-8548954

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